MfG17: Graveln – wieso, weshalb, warum …

Gravel, das englische Wort für »Schotter«, ist namentlicher Bestandteil einer bestimmten Art des Fahrens (»Graveln«, d.h. auf Schotterwegen fahren) als auch des bevorzugten Radtyps: »Gravelbike« oder »Graveller«. Es scheint ein aktueller Modetrend zu sein mit jährlich steigenden Verkaufszahlen, der Kauf eines »Rennrads für Schotter«, wie es auch gerne bezeichnet wird.

Das Gravelbike verweist aber viel mehr noch auf ein neues, anderes Mobilitätsbedürfnis auf dem Fahrrad: Zum einen sollen lange Strecken gut fahrbar sein, und das sowohl schnell (Aufbau und Ausstattung ähnlich einem Rennrad, möglichst geringes Gewicht) als auch bequem (Anleihen bei Tourenrädern wie Rahmengeometrie, Ösen für Anbauteile, Stahlrahmen etc.) – zum anderen sollen diese Strecken abseits der KFZ-Straßen verlaufen, auf den zahlreichen Schotterwegen der Land- und Forstwirtschaft, auf kaum befahrenen Nebenstrecken, und nötigenfalls eben quer über den Berg statt auf Autostraßen um ihn herum (Anleihen bei Mountainbikes: bergtaugliche Übersetzung, Scheibenbremsen, breitere Reifen mit Profil).

Hier wird weder Fisch noch Fleisch geboten? Im Gegenteil: Aufgrund dieser Vielseitigkeit erfreuen sich Gravelbikes steigender Beliebtheit bei Alltagsradlern, Langstreckenfahrern oder Sportlern gleichermaßen – das Gravelbike macht ambitionierteren Radfahrern ein erstaunliches Angebot, lässt sich mit wenigen Handgriffen vom Singletrail-Dreck reinigen und in einen Randonneur für die Mehrtagestour verwandeln. Ist die Reisetasche wieder ab, kommt die Alltagstasche ran. Oder die Allwetter-/Alljahr-Vollausstattung mit Schutzblechen und fester Lichtanlage: zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit gibt es keine Ausreden mehr, nicht Fahrrad zu fahren – und vereinzelt auch keinen Grund mehr, noch mehrere Fahrräder zu besitzen.

Wie lange schon »gegravelt« wird, ist schwer zu sagen. Einflussreich war hier sicher wieder der Sport, Querfeldein-Rennen mit sogenannten Crossern gibt es schon eine ganze Weile – und legendär unter Rennradfahrern sind nach wie vor ruppige Streckenabschnitte, wie es sie bei Paris-Roubaix (Pflaster) oder der L’Eroica (Schotter) gibt. Die Zeitschrift Tour datiert in einem interessanten Bericht von 2015 zehn Jahre zurück – also 2005 –, und den Beginn der Serienproduktion durch große Marken auf spätestens 2013.

Jochen Kleinhenz zeigt, wie ein Gravelbike aufgebaut sein kann, aber nicht muss …

Das Bombtrack kurz nach dem Kauf, in ziviler Umgebung. Als sportlicheres Alltagsrad eine gute Wahl …

Meine Wahl fiel auf einen Graveller der Kölner Marke Bombtrack, das »Hook 1«. Am wichtigsten war mir der Stahlrahmen – dieses Material ist zwar nicht das leichteste oder steifste, aber gerade deswegen sagt man Stahlrädern einen höheren Komfort nach, bessere Dämpfungseigenschaften durch das »flexiblere« Material. Auch die Reifenbreite ist eher auf Komfort angelegt, bis zu 40 mm breite Mäntel sind möglich und damit auch eine große Auswahl an unterschiedliche Profilarten.

Dazu kommen die reichlich vorhandenen Ösen: Das Hook lässt sich mit allen standardisierten Anbauteilen – Licht, Schutzbleche, Gepäckträger, Flaschenhalter etc. – nachrüsten, ohne dass man irgendetwas basteln muss oder Zwischenkonstruktionen braucht. Es ist also mit wenigen Handgriffen voll alltagstauglich und nicht ein hochspezialisiertes Sportgerät.

Ein weiteres Argument war, dass Bombtrack das Systemgewicht (Gesamtgewicht aus Fahrrad, Fahrer und Zuladung/Gepäck) mit 150 kg angibt – das erreiche ich natürlich nicht, aber es ist ein gutes Gefühl, auch im vollbepackten Zustand »Luft nach oben« zu haben, statt das Material immer an der Grenze der Belastbarkeit zu fahren …
… und schlussendlich: Es fährt sich nicht nur ganz ausgezeichnet, sondern sieht auch gut aus – auch dann noch, wenn es mit Taschen bepackt und dreckverschmiert ist.

Hier sieht man das Hook im aktuellen Setup (am 9. September 2017 vor der Murrleinsnesthütte, oberhalb von Michelau im Steigerwald) – die Apidura-Taschen haben sich schon bei mehreren Gelegenheiten bewährt (es gibt aber auch vergleichbare Modelle von unterschiedlichen Herstellern).

Das meiste Gepäck findet in der Satteltasche Platz (»Saddle Pack Regular« = 17 Liter Fassungsvermögen), die Lenkerrolle ist etwas kleiner gewählt aufgrund des engen Platzes zwischen den Drops des Lenkers (»Handlebar Pack Compact« = 9 Liter Fassungsvermögen). Der letzte Neuzugang ist die Full-Frame-Tasche (»Full Frame Pack Large« = 14 Liter Fassungsvermögen), nachdem ich schon seit geraumer Zeit mit der normalen Rahmentasche (»Road Frame Pack Large« = 6 Liter Fassungsvermögen) unterwegs und sehr zufrieden war.
Die Taschen bieten also zusammen etwa 40 Liter Fassungsvermögen – ohne dass Träger oder spezielle Trägersysteme vorhanden sein müssen: Das erlaubt die Montage dieser Taschen an jedem beliebigen Rad, vorausgesetzt, die Rahmengeometrie und die Größen passen zusammen.

Die große Rahmentasche lässt natürlich keinen Platz mehr für die Flaschenhalter im Rahmen – dem klassischen Platz dafür –, also wanderten diese nach vorne, an die Gabel. Ebenfalls zusätzlich angebaut: Die Aero-Bar auf dem Lenker, die die vielfältigen Griffpositionen des Rennlenkers noch einmal deutlich erweitert und vor allem bei Gegenwind eine günstigere Sitzposition erlaubt. Und das Vorderrad habe ich komplett ausgetauscht gegen eines mit Nabendynamo, der nicht nur die fest angebauten Lichter vorne und hinten mit Strom versorgt, sondern während der Fahrt auch das Laden von Elektrogeräten erlaubt, z. B. eines iPhones.

An Gravelbikes finden sich mittlerweile überwiegend Scheibenbremsen, so auch hier, allerdings mechanische Modelle, die nicht die gleiche Bremswirkung erzielen wie hydraulische, aber immer noch ordentlich zupacken – und unterwegs einfacher zu warten sind als Modelle mit Öl. Der Antrieb verfügt über 2×10 Gänge und besteht aus einer SRAM-Apex-Kompaktkurbel (50 und 34 Zähne) sowie einer Kassette mit einem weiten Übersetzungsbereich (11–32 Zähne im Original, von mir ersetzt durch 11–36 Zähne).

Das Hook 1 wiegt im Originalzustand weniger als 11 kg, aber mit Anbauten und Gepäck über 20 kg – es gilt, einiges an Gewicht zu bewegen, und das häufig auf eher rumpeligen Pisten. Das Material wird also ordentlich gefordert, und bisher hatte ich in keinem Moment das Gefühl, mit diesem Rad und dem Setup etwas falsch gemacht zu haben …

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Marken und Modelle werden hier exemplarisch genannt, ohne jegliche Kaufempfehlung – die Verweise auf die Seiten der Hersteller dienen lediglich dazu, sich über technische Einzelheiten zu informieren, die auch andere Hersteller berücksichtigen.


Der Mainfrankengraveller ist eine privat organisierte Veranstaltung, die über Kooperationspartner (z. B. die Region Mainfranken GmbH) werblich kommuniziert wird. Kein Kooperationspartner hat jedoch eine inhaltliche oder organisatorische Verantwortung, gleich welcher Art. Eine Teilnahme erfolgt auf eigene Verantwortung und ist nur möglich, wenn sich der Teilnehmer an die jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen (z. B. die Straßenverkehrsordnung) hält, einen ausreichenden Kranken- und Haftpflichtversicherungsschutz vorhält sowie bestätigt, dass im Hinblick auf seine Teilnahme keine Haftung der Kooperationspartner besteht und er keine solchen Ansprüche gegen diese geltend machen wird.